Hallo Frau Martens, Sie sind Projektleiterin im Invest-Team für die Life Sciences-Branche. Life Sciences – das ist ja fast ein Modewort. Welche Bedeutung hat denn diese Branche für Thüringen?
Also, wir fassen unter Life Sciences die Bereiche, Medizintechnik, Biotechnologie und Pharmazie zusammen. Zum einen haben wir da eine wirklich lange Tradition, auf die wir aufbauen können. Ich denke an Entwicklungen wie die industrielle Produktion von Mikroskopen und Röntgenröhren oder auch Penicillin, das erstmals in Kontinentaleuropa in Jena in industriellem Maßstab hergestellt wurde. Heute haben wir über 600 Unternehmen und 30.000 Beschäftigte in diesem Sektor. Thüringer Unternehmen sind Innovationsführer auf dem Gebiet der Mikroskopie, Lasertechnik und Ophthalmologie. Im Bereich der Biotechnologie haben sich Unternehmen, die Lab-on-a-Chip- oder Organ-on-a-Chip-Systeme entwickeln erfolgreich etabliert. Gleichzeitig zieht Thüringen Spitzenforschung im Bereich Diagnostik und Therapie von Infektionen wie zum Beispiel Sepsis oder antimikrobielle Resistenzen an. So fördert der Bund das Leibniz Zentrum für Photonik in der Infektionsforschung mit über € 120 Mio.
Was sagen Sie denn einem Investor oder Unternehmen, das sich für Thüringen interessiert. Wo liegen da die Alleinstellungsmerkmale?
Ich bin wirklich überzeugt, dass die herausragenden Kompetenzen, die Thüringen auf dem Gebiet der Optik und Photonik hat und die der Schlüssel für neue Verfahren, Therapien und Innovationen in den Life Sciences sind, ein starkes Alleinstellungsmerkmal für uns sind. Heute fasst man das unter dem Begriff „Biophotonik“ zusammen. Hinzu kommt, dass wir eine exzellente Forschungsinfrastruktur haben, viele extrem innovative KMU, aber auch große Player wie ZEISS, Abbott, Bauerfeind…Und als kleines Bundesland – alles auf sehr engem Raum, was aber auch wunderbare Möglichkeiten für Kooperationen und Austausch auf sehr kurzem Weg bedeutet. „Innovationsökosystem“ ist ja heute das Zauberwort hierfür. In Thüringen funktioniert das wirklich und es wird getragen von engagierten Branchenclustern wie dem medways, dem InfectoGnostics Research Campus und dem OptoNet.
Und was sind Ihre größten Herausforderungen?
Ich bin ja neben der Life Sciences Branche auch für Investoren aus der Region Westeuropa zuständig und viel im Ausland unterwegs. Daher weiß ich, dass der internationale, aber auch nationale Wettbewerb sehr groß sind. Eine meiner großen Herausforderungen ist daher erst mal Standortmarketing – Thüringen auf die Landkarte von potenziellen Investoren zu bringen. Denn, ja wir haben echte USPs, aber wir müssen die - auch als Freistaat Thüringen - immer noch aktiver und selbstbewusster herausstellen. Hinzu kommt, dass es in den Life Sciences häufig keine großen Investitionen, auf der „grünen Wiese“ gibt, sondern viele Projekte aus Ausgründungen oder aus dem Bestand entstehen, wofür man wirklich einen langen Atem braucht. Das heißt aber auch, dass wir weiter daran arbeiten müssen, attraktive Labor- und Produktionsflächen für Unternehmen vorzuhalten und zu entwickeln. Ein weiteres „dickes Brett“, das es zu bohren gilt, sind die immer noch schwierigen Finanzierungsbedingungen besonders für Scale-Ups, d.h. wenn Unternehmen an den oft langwierigen Zulassungen und an der Markteinführung arbeiten.
Ganz konkret, welche Dienstleistungen bieten Sie Unternehmen?
Ja, wie schon angesprochen: Wir suchen nach passfähigen Standorten, beraten zu Fördermitteln und unterstützen bei der Suche nach Finanzierungsoptionen. Wir sehen uns aber auch als „Türöffner“ zu Partnern aus Industrie und Forschung in Thüringen. Hierfür haben wir übrigens LiST entwickelt – das Life Sciences-Portal Thüringen (www.lifesciences-thueringen.de). Schauen Sie gern mal rein!



